Das 30-jährige Jubiläum der Caritas-Tagespflege in Neumarkt feierten unter anderen (von links) Neumarkts Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, der Vorsitzende der Caritas-Sozialstation Neumarkt, Karl Heinz Ferstl, Neumarkts zweiter Bürgermeister Günther Stagat, der Geschäftsführer der Sozialstation, Josef Bogner, Landrat Martin Meier, Caritasdirektor Alfred Frank, die evangelische Pfarrerin Iris Barbara Thie, Dietfurts Erster Bürgermeister Bernd Mayr sowie Finanz- und Heimatminister Albert Füracker. Foto: Peter Esser / Caritas
Pfarrer Markus Fiedler sagte in seiner Predigt, er habe in der Pflege erfahren, wie wertvoll Empathie ist. Foto: Peter Esser / Caritas
"Wir haben heute Grund zum Feiern und zu Dankbarkeit. Wir danken für die visionäre Entscheidung, vor 30 Jahren hier eine Caritas-Tagespflege zu gründen. Wo Gottes Geist wirkt, da wird etwas aufgebaut." Mit diesen Worten hat der Pfarrer von Postbauer-Heng, Markus Fiedler, heute rund 80 Personen aus Politik, Kirche und Gesellschaft in einem Festgottesdienst in der Neumarkter Hofkirche anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Caritas-Tagespflege Neumarkt empfangen. Diesen hielt Fiedler, der auch Beisitzer in der Vorstandschaft der die Tagespflege tragenden Caritas-Sozialstation Neumarkt ist, gemeinsam mit dem früheren Neumarkter Dekan Monsignore Richard Distler. Beim anschließenden Festakt im Emmaus-Pfarrsaal, hielt der Vorsitzende der Sozialstation, Karl Heinz Ferstl, die Festrede. Außerdem sprachen Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, der Neumarkter Landrat Martin Meier, Neumarkts Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn und der Eichstätter Caritasdirektor Alfred Frank Grußworte. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Geschäftsführer der Sozialstation, Josef Bogner. Die beiden Tagespflegen in der Saarlandstraße und der Friedenstraße luden nachmittags zum Tag der offenen Tür ein.
"Empathie ist eine große Stärke des Menschen"
Pfarrer Fiedler kritisierte in seiner Predigt die Aussage von Elon Musk, die Schwäche der westlichen Welt sei ihre Empathie. Fiedler erzählte über seine sehr positiven Erfahrungen mit einem Hospiz in Erlangen, in dem seine Mutter in ihrer letzten Lebensphase sehr liebevoll behandelt worden sei. An diesem Beispiel habe er erfahren, "wie wertvoll Empathie ist". Immer wieder gehe ihm das Bild seiner lächelnden Mutter in dem Hospiz durch den Kopf. Auch in den beiden Tagespflegen der Caritas-Sozialstation Neumarkt sind die Betroffenen nach Überzeugung Fiedlers "bei empathischen Menschen, die fachlich gute Arbeit leisten" in guten Händen. "Empathie ist eine große Stärke des Menschen", erklärte der Pfarrer und ergänzte: "Gott ist da, wo Menschen empathisch handeln." Es sagte zudem, dass auch heute noch wegweisende Entscheidungen getroffen werden könnten wie seinerzeit für die Tagespflege: Fiedler sprach sich für die Gründung eines Hospizes im Landkreis Neumarkt aus.
Karl Heinz Ferstl erinnerte in seiner Festrede daran, dass die Caritas-Tagespflege in Neumarkt 1996 eine der ersten Tagespflegen, wenn nicht die erste Tagespflege in Bayern gewesen sei. "Motor und Initiator mit einem ausgeprägten Sinn für eine damals noch schwer zu quantifizierende Langfristentwicklung war Konrad Fersch, der damalige Geschäftsführer der Caritas-Sozialstation. Unermüdlich und mit großer Überzeugung hat er sich für diese Einrichtung eingesetzt, nicht wissend, wohin die Reise langfristig gehen wird." Damals habe die häusliche Pflege noch deutlich im Vordergrund gestanden. Erst mit den Jahren und steigendem Bedarf sei die außerhäusliche Pflege stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft gerückt, gerade die von teilstationären Einrichtungen wie Tagespflegen. Heute, so der Vorsitzende der Sozialstation, stünden viele pflegende Angehörige vor der Herausforderung, eine Balance zwischen der eigenen Berufstätigkeit, dem Familienleben und der Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen zu finden. Genau hierauf habe die Tagespflege eine Antwort: "Sie bietet eine professionelle Betreuung für Senioren oder Menschen mit Pflegebedarf für einige Stunden am Tag, während die Angehörigen Zeit für sich haben oder anderen Verpflichtungen nachgehen können." Ferstl ging in seiner Rede auch auf die Zukunft ein: "Reformen sind in aller Munde, auch zum Beispiel das Pflegeneuordnungsgesetz. Viele Ideen sind sinnvoll, ihre Wirkung hängt jedoch davon ab, ob Personal, Finanzierung und Umsetzung vom Ende her mitgedacht werden."
Staatsminister Albert Füracker erklärte: "Seit 30 Jahren steht die Tagespflege der Caritas-Sozialstation Neumarkt für gelebte Menschlichkeit, höchste fachliche Qualität und innovative Pflege." Die Tagespflege sei eine beeindruckende Erfolgsgeschichte und ein verlässlicher Anker für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen. "Sie schenkt Geborgenheit, Gemeinschaft und Lebensqualität - und ermöglicht es den Menschen, in ihrem vertrauten Zuhause zu bleiben." Füracker dankte insbesondere "allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich Tag für Tag mit großem Fachwissen, außergewöhnlichem Engagement und viel Herzlichkeit für die ihnen anvertrauten Menschen einsetzen. Ihre Arbeit erhält Selbstständigkeit, entlastet Angehörige und zeigt eindrucksvoll: Pflege ist wertvolle Arbeit von Menschen für Menschen." Das Thema Pflege ist und bleibt laut Füracker in Dauerbrenner: Derzeit seien in Bayern rund 630.000 Menschen auf Pflege angewiesen, bis zum Jahr 2050 steige die Zahl nach einer Prognose auf etwa 980.000 Personen. Der Staatsminister stellte unmissverständlich klar, dass dafür auch Menschen gebraucht würden, "die aus dem Ausland kommen und uns unterstützen".
Landrat Martin Meier gratulierte zum 30-jährigen Jubiläum und dankte den Pflegerinnen und Pflegern, "die sich mit vollem Einsatz ihrem Beruf verschrieben haben" und fügte hinzu: "Wir sind stolz auf Sie." Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn betonte in seiner Ansprache auch die Wichtigkeit von Pflegeschulen, von der er sich persönlich bei einem Besuch überzeugt habe. Die Herausforderung, Leute für den Pflegeberuf zu finden, sei immens. Auch er sagte, "dass wir uns nicht nach außen abschotten sollten".
Begegnung, Gemeinschaft und Teilhabe
Caritasdirektor Alfred Frank meinte, dass die beiden Tagespflegen der Caritas mit insgesamt 34 Plätzen "einen wichtigen Beitrag für die Menschen in Neumarkt und im Landkreis leisten". Tagespflege bedeutet laut Frank weit mehr als Pflege und Betreuung. "Sie bedeutet Begegnung, Gemeinschaft und Teilhabe." Es gehe darum, "den Menschen in seiner Würde wahrzunehmen, seine Fähigkeiten zu stärken und ihm ein Leben in Gemeinschaft zu ermöglichen." Auch mit der Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen für die Entwicklung der ressourcenerhaltenden Therapie DeTaMAKS zur ganzheitlichen Aktivierung der Besucherinnen und Besucher zeige die Caritas-Sozialstation Neumarkt, dass sie "nicht nur bewährte Wege geht, sondern auch bereit ist, neue Wege zu gehen".